Stadtretter-Podcast #21

“Regionalität stärken – ein Netzwerk für den stationären Handel”

Folge #21 ist raus!

Der stationäre Handel steht vor großen Herausforderungen: Der Onlinehandel boomt, weil er bequem ist, und viele Kunden wissen gar nicht, dass sie Produkte, die sie suchen, direkt vor Ort kaufen könnten. Genau hier setzt GO!LOCA an – eine App, die den stationären Handel sichtbar macht, Kunden informiert und das Einkaufen in der Region wieder attraktiv gestaltet.
In dieser Folge sprechen Frank Rehme, Stefan Müller-Schleipen und Sascha Lübben von GoLoca über die Veränderungen des stationären Handels.

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Intro: Die Stadtretter – Der Podcast 

Frank Rehme: Ja, da ist wieder eine neue Folge des Stadtretter Podcast. Heute mit einem Thema, was wir schon öfters mal besprochen haben und zwar: Wie finde ich mich in meiner Stadt zurecht? Und da habe ich jetzt zwei Experten hier wieder am Telefon. Einmal den ja, ich sag mal, Podcast Dauergast, weil er eben halt auch Gründer der Stadtretter ist, den Stefan Müller-Schleipen und den Sascha Lübben von GO!LOCA. Ja, erst mal herzlichen Guten Morgen euch allen.

Stefan Müller-Schleipen: Guten Morgen, Frank. Wir freuen uns, dabei zu sein.

Sascha Lübben: Guten Morgen.

Frank Rehme: Ja und für die, die uns noch nicht kennen: Ich bin Frank Rehme, beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit dem Thema Handel und Innenstädte und begleite diesen Podcast jetzt schon von Anfang an. Und ich reiche mal gleich rüber an den Stefan, der auch genauso lange schon diesen Podcast hier mit begleitet.

Stefan Müller-Schleipen: Ja von Anfang an eigentlich. Guten Morgen, Frank. Ich bin Mitgründer des Stadtretter Netzwerks. Mittlerweile haben wir die 1400er Marke geknackt, also 1.400 Städte und Gemeinden, die sich bei uns engagieren und voneinander lernen wollen und immer gucken, was gibt es Neues im Bereich Digitalisierung, Innenstadt, Attraktivierung und und und. Und ich freue mich auf das Format heute.

Frank Rehme: Ja, dann gehen wir sofort weiter zum Sascha.

Sascha Lübben: Ja, schönen guten Morgen. Sascha Lübben von GO!LOCA. Ich freue mich auch sehr, dabei zu sein und die Möglichkeit zu haben, mich vorzustellen und meine Idee vorzustellen, um einfach den Handel und die Gastronomie in den Städten zu unterstützen.

Frank Rehme: So. Ja, wunderbar. Und da sind wir auch eigentlich auch schon beim Thema. Wir sehen ja in vielen Bereichen, dass genau diese Unterstützung an vielen Ecken ja auch gefragt ist. Und Sascha, dann berichte doch mal, was so dein Urinstinkt, dein ja, ich sag mal, dein Tipping Point war, wo du gesagt hast: Da muss ich jetzt was tun. Und wie du diese Idee weiterentwickelt hast? Und vor allen Dingen auch seit wann das Ganze so losgegangen ist?

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Sascha Lübben: Ja, sehr gerne. Also ursprünglich komme ich aus dem Bereich, also ich habe für einen Verlag gearbeitet, habe dort den Bereich neue Medien betreut und habe sozusagen Baukasten-Webseiten branchenübergreifend verkauft. Und so hat eigentlich alles angefangen. Ich habe Cross Selling betrieben und Werbeformen zusätzlich verkauft. Und das habe ich über zehn Jahre gemacht, hatte also damit einen ziemlich guten Einblick in den stationären Handel, in den Bereich Gastronomie. Ich komme auch ursprünglich aus der Gastronomie, also ganz früher mal und habe da so ein bisschen ein Gefühl dafür bekommen oder ein ganz gutes Gefühl dafür bekommen: Was hat der stationäre Einzelhandel eigentlich für Möglichkeiten? Was hat er für eine Ausgangssituation? Wie verhält er sich im Bereich Marketing? Und was braucht es eigentlich, damit man letzten Endes mehr Kunden in die Geschäfte bekommt? Und in dem Verlag, in dem ich gearbeitet habe, gab es ein Produkt, das nannte sich Gutscheinheft für Neubürgerinnen und Neubürger und das sollte ich aushilfsweise mal verkaufen. Und da habe ich mitbekommen, dass viele Händler vor Ort eigentlich sehr angetan waren von dem Produkt, weil sie gesagt haben: Wir bekommen über diese Art und Weise der Gutscheinausgabe so etwa 20 bis 30 neue Kunden pro Jahr. Und da habe ich angefangen, nachzudenken, denn die Optionen, wie sie aktuell sind, sind relativ schwierig/begrenzt, weil ich finde, die sozialen Medien sich nicht optimal eignen, um seinen stationären Handel zu präsentieren, sondern da bedarf es einfach anderer Möglichkeiten. Und dann habe ich angefangen, nachzudenken: Was würde denn Sinn machen? Was braucht es letzten Endes, damit sowas funktionieren kann? Und dann gab es da verschiedene Häkchen, die gesetzt werden müssen, damit ich sagen konnte: Okay, das macht Sinn. Jetzt ist die Frage: Führe ich es gleich aus oder warte ich erst mal, was noch kommt an Fragen?

Frank Rehme: Ja, dann sofort der, Einspruch euer Ehren, von meiner Seite. Du hast gesagt, Social Media eignet sich nicht. Aber da sind doch die ganzen Leute alle.

Sascha Lübben: Stattgegeben. Da sind die ganzen Leute alle, richtig. Ich sehe das aber so, dass es unfassbar viele Störfeuer gibt in diesen sozialen Medien. Also wenn wir uns selber da mal ein Stück weit beobachten, finde ich, dass wir die sozialen Medien oft dazu verwenden, um uns ein Stück weit abzulenken. Wir verschenken Zeit. Wir scrollen durch, ohne wirklich Dinge aufzunehmen. Bedeutet letzten Endes ist es keine zugeschnittene Plattform, die sich nur darum kümmert, nämlich um die Innenstädte vor Ort.

Frank Rehme: Ja, aber das, was du da genannt hast, das nenne ich immer: Digitale Laufkundschaft. Du scrollst so durch und unterhältst dich so ein bisschen. Du bist da wie so, du gehst durch die Stadt und guckst mal rechts und links in die Schaufenster und wenn es gut ist, dann gehst du da mal rein.

Sascha Lübben: Das ist ein sehr guter Punkt, den du da gerade ansprichst. Genau, dieses durch die Stadt bummeln und mal in die Schaufenster reinschauen, das ist uns leider ein Stück weit abhanden gekommen. Und ich glaube, dass die Menschen, dass wir uns generell verändern, also wir werden schneller in vielen Dingen. Wir nehmen Dinge schneller auf. Wir werden an allen Ecken und an allen Enden praktisch bespielt mit aller möglichen Marketing Aktivität. Und insofern denke ich, dass wir da einfach auch voll sind von der Aufnahmefähigkeit. Ich denke, dass wenn wir uns und das ist das, was ich eingangs gesagt habe, wir verändern uns, wir wollen schneller ans Ziel. Wir sind nicht mehr bereit, Wege auf uns zu nehmen, die uns sinnlos erscheinen. Und da habe ich so das Gefühl, dass viele Menschen mittlerweile sagen: Was soll ich in die Stadt laufen, wenn ich nicht weiß, wo ich was finde? Wieso soll ich zwei Stunden oder drei Stunden Zeit in die Hand nehmen, wenn ich es doch online kaufen kann? Und da setze ich eben an, also dass ich da eben die Möglichkeit biete, ein Schaufenster zur Verfügung zu stellen und den Menschen zu sagen: Pass auf, wenn du ein Produkt brauchst oder suchst, dann gibt es hier eine spezielle Plattform für dich, die nur den Handel vor Ort abbildet und zwar nur.

Frank Rehme: Und wie hast du die jetzt, jetzt kannst du deine Punkte anbringen, die du gerade noch so ein bisschen dahinten geschoben hast, wie hast du das jetzt umgesetzt?

Sascha Lübben: Grundlegend war es mir wichtig, da ich ja, wie eingangs schon erwähnt, ein paar Jahre unterwegs war im stationären Handel, gemerkt habe, das Wissen zum Thema Technik, das Verhalten gegenüber dem Thema Technik geht unfassbar weit auseinander. Also da, ohne jetzt gewissen Personengruppen zu nahe treten zu wollen, aber ich nehme jetzt mal den Einzelhändler Anfang 60, der aus einer Zeit kommt, der nicht mit Technik aufgewachsen ist, für den ist es nicht einfach, die Situation in den Griff zu bekommen. Das heißt, ich muss denjenigen auch mit meiner Idee abholen können, sprich, er muss sie bedienen können, die App bis hin zu jemanden, der natürlich tagtäglich mit diesem Medium und mit dieser Technik zu tun hat. Das heißt, also da gibt es jetzt dieses Spielfeld und ich wusste, es geht nur, wenn ich was kreiere, was tatsächlich super einfach zu bedienen ist. Und das ist letzten Endes dabei rausgekommen. Also mir war es einfach wichtig, zu gucken, dass alle davon profitieren können. Es muss was sein, was schnell funktioniert, das kann die App und so ist letzten Endes dann Stück für Stück das Produkt entstanden.

Stefan Müller-Schleipen: Das wäre ja auch der Punkt, warum vielleicht andere Apps gescheitert sind. Und ich hoffe, deine nicht scheitert, weil du vielleicht die intuitive Bedienung etwas nach vorne stellt, auch den Schaufenstereffekt für den End-User nach vorne gestellt hast. Weil ich glaube, erfahrungsgemäß finden Digitalisierung alle toll, aber wenn sie es dann selber umsetzen müssen im eigenen Laden oder im eigenen Betrieb, Geschäft, wie auch immer, ist die Hürde, über die man drüber muss, dann doch irgendwie relativ hoch und kein Blaming von 60-Jährigen in dem Sinne, sondern die fragen sich, ob sie sich den Aufwand überhaupt noch antun sollen. Na logisch, klar, ist ein Invest.

Sascha Lübben: Auch das, richtig, genau.

Frank Rehme: Jetzt lebt ja so eine App von den Benutzerinnen und Benutzern. Das heißt, die, die der Stefan gerade angesprochen hat, die Endbenutzer. Ich habe in der Vergangenheit viele solche Apps schon hochkommen sehen und was mir aufgefallen ist, dass viele von denen anbieterorientiert waren. Die waren voll konzentrierter darauf, es den Gastronomen, den Händler, den Dienstleister möglichst einfach zu machen, da reinzukommen. Da hat man dann immer den End-User vergessen. Denn ich sage mal, so eine App lebt von der Frequenz und die Frequenz wird erzeugt durch Transaktion und genau das ist ja das, was man attraktiv machen muss. Ich zitiere mal hier den lieben Professor Heinemann, der mal diese ganzen Stadtapps und lokalen Online-Marktplätze analysiert hat und gesagt hat: Wenn jemand ins Internet geht, dann findet er dort, wenn er zum Shoppen dahingeht, eins, nämlich niedrige Preise und eine Riesenauswahl. Das haben die meisten dieser Stadtapps und lokalen Online-Marktplätze alle nicht. Und wenn, kein Mensch holt sich ein Handy raus, um dann doch danach wieder stationär einkaufen zu gehen, sondern da ist ja nur ein Klick von irgendeinem Amazon oder auch Garagenfirmenangebot entfernt, was zwei Tage später bei ihm zu Hause ist. Und deshalb muss ja so eine App Mehrwert haben als nur dieses reine: Ich sehe hier ein Angebot und habe jetzt die Möglichkeit, dieses Angebot durch meinen Gang in die Stadt abzurufen. Da muss ja noch ein bisschen mehr hinterstecken. Da braucht man noch mehr. Habt ihr darüber mal nachgedacht, diesen Mehrwert gegenüber dem, was die anderen auch schon alle gemacht haben, noch mal so mit unterzubringen?

Sascha Lübben: Ja, selbstverständlich. Also das ist natürlich jetzt eine einfache Frage, wie man meint, aber die ist sehr facettenreich und sehr umfangreich, wie ich finde. Weil wenn man sich da mal mit beschäftigt eingehend, dann kommen doch einige, einige Punkte, die es da zu beachten gilt. Also es gibt verschiedene Stellen, an denen wir natürlich die App versuchen attraktiv zu machen und die Menschen abzuholen. Zum einen haben wir da eine Gamification mit eingebaut, in dem Sinne als das, wenn ich vor Ort einkaufe, ich Punkte sammle und auf mein persönliches Punkte Konto praktisch aufstocke. Und bei einer gewissen Punkte Zahl kann ich mir dann letzten Endes ein gesondertes Angebot oder ein Goodie von einem Händler oder Sonstiges eben erspielen, auf diese Art und Weise. Genau.

Stefan Müller-Schleipen: Ich glaube aber, was wichtig ist, ich weiß nicht, ob es schon zu 100 Prozent abgebildet ist, diese Einkaufsenttäuschung zu vermeiden. Also ich bin jemand, ich bin gerne bereit und auch motiviert, den lokalen Handel zu unterstützen. Ich bin aber enttäuscht, wenn es meine Jeans in Größe 36 in Blau dann doch nicht gibt vor Ort und ich in die Stadt fahre, verzweifelt zwei, drei Geschäfte abklappere und dann nach Hause fahre, so: Mensch, das war leider ein Schuss in den Ofen, wie auch immer. Und wenn ihr es schafft und ich hoffe, ihr schafft das, das lokale Angebot, das lokale Warenangebot sichtbar zu machen und per Knopfdruck auch vielleicht reservierbar zu machen, dann sehe ich eine Möglichkeit da drin, mich aus diesem, aus dieser Unsicherheit abzuholen im Sinne von: Fahre ich überhaupt in die Stadt oder bestelle ich es mir gleich online? Weil ich gucke schon, woher kommt das Zeug und wie findet es auch den Weg zu mir? Und wenn ich sehe, dass der Jeans Schmidt in Anführungsstrichen in meiner Stadt die Sache da hat, ich kann sie mir reservieren und auf dem Weg von der Arbeit abholen, dann wäre ich schon sehr, sehr bedacht drauf, lokal, regional die Sache zu bestellen. Und das ist, glaube ich, ein wichtiger Punkt.

Sascha Lübben: Ja. Ja, das sehe ich auch so. Die Reservierungsfunktion ist aktuell noch nicht in der App, die soll aber kommen. Das hat aber den Hintergrund für viele, die jetzt mit einer App noch nicht so viel zu tun haben, man hat ja zu Beginn unglaublich viele Ideen und man muss sich irgendwann reduzieren auf einen gewissen Grundbaustein und den haben wir entwickelt. Aber so sehe ich das generell auch. Aber es gibt natürlich in dem Bereich ja auch noch weitere Enttäuschungen. Also wenn ich sage, wenn ich das Beispiel jetzt genau aufnehme von dir, Stefan, und sage: Ich fahre dann in die Stadt und finde mein Produkt nicht – das kann man ja auf den Online Handel ganz genau so umlegen. Also der Nachteil, den ich online natürlich habe, ist, ich kann mein Produkt, das ich brauche, weder sehen, also sehen im Sinne von haptisch sehen und fühlen, riechen, schmecken, anfassen. Das fehlt mir komplett. Das heißt, was auch passieren kann ist, dass ich online bestelle und bekomme Produkte, die mir nicht gefallen und die mir nicht passen. Also es gibt immer zwei Seiten der Medaille und der erstere, die erstere Seite wäre natürlich mit einem Aufwand verbunden, in die Stadt zu fahren, das ist richtig. Die andere Seite ist aber die, ich bestelle mir dann unzählige Produkte in aller Regel, so kenne ich es aus meinem Umfeld, Beispiel 20 Produkte, ich behalte eins und schicke 19 zurück. Das halte ich für wenig nachhaltig und für wenig sinnvoll. Und also, wie gesagt, es gibt immer zwei Seiten. Aber es ist richtig, das ist das Ziel, dass wir hier die Möglichkeit geben, für die Menschen, die in der Stadt leben, arbeiten, einkaufen, dass sie die Möglichkeit haben, zu schauen: Was gibt es denn vor Ort? Und bin ich in der Lage, das, was ich gerne möchte, gleich oder heute zu bekommen?

Frank Rehme: Wenn ich jetzt eine Stadt bin und ich interessiere mich jetzt für so eine Lösung, Frage Nummer eins ist immer: Wo läuft das schon? Das wollen die Städte ja immer wissen. Und B: Welchen Aufwand muss ich treiben, um so eine Lösung bei mir in der Stadt zu integrieren?

Sascha Lübben: Ja, also wir, ich komme, wie man es hört, aus Süddeutschland. Ich bin in Freiburg oder im Umkreis von Freiburg ansässig. Und dort haben wir auch angefangen. Generell sind wir auf der Suche nach einer Pilot- und Projektstadt. Das würden wir gerne anbieten. Und das würde so ablaufen, dass man dann letzten Endes zusammenkommt, die App erklärt und installiert. Und wir würden die Geschäfte komplett einrichten und sie betreuen. Zu Beginn: Es gibt Guidelines, die wir rausgeben, wir haben Werbematerial, das wir rausgeben. Das heißt, die Geschäfte werden bestückt mit Aufklebern, mit Flyern, mit kleinen Plakaten und wir sind im Backoffice da und unterstützen bei allen Fragen, beim Einbinden von Produkten. Da können wir gerne auch gleich noch mal drauf eingehen, da gibt es mehrere Möglichkeiten, die Produkte in die App zu bekommen und wir betreuen den Kunden eng und nah.

Frank Rehme: Jetzt mal ein kurzer Hinweis in eigener Sache. Und zwar könnt ihr die Stadtretter auch unterstützen. Und das ohne einen Cent auszugeben, indem ihr einfach die Stadtretter weiterempfehlt, den Kolleginnen und Kollegen, Freundinnen und Freunden davon erzählt, welch cooles Netzwerk das hier ist. Dann könnt ihr natürlich gerne eine Bewertung im Podcatcher eurer Wahl abgeben, am besten natürlich immer fünf Sterne und abonniert den Newsletter, dann seid ihr immer bestens informiert. So, jetzt geht es aber weiter.

Sehr gut. Und wenn ich jetzt als Stadt das Ganze integrieren möchte, mit welchen Kosten habe ich zu rechnen? Gibt es da eine grobe Orientierung? Ich weiß, man spricht nicht gerne über Kosten, aber dass man so eine grobe Übersicht hat, mit was ich unbedingt rechnen muss und vor allen Dingen auch Implementierungszeitraum?

Sascha Lübben: Selbstverständlich ja. Also die Kosten sind für den Handel da, weil es eine Werbeplattform darstellt und wir nehmen 39 Euro im Monat als Nutzungsgebühr. Dafür habe ich die Möglichkeit, so viele Produkte und Angebote, wie ich möchte, einzustellen in die App. Plus ich kann Dienstleistungen anlegen. Ich kann Veranstaltungen anlegen, die jetzt beispielsweise in meiner Stadt, in meinem Bereich, in dem ich gerade bin, also es gibt ja oft Arbeitsgemeinschaften, Teilbereiche einer Stadt und so weiter und so fort, also diese Dinge kann ich relativ schnell in die App einbinden. Das war es aber eigentlich schon von den Kosten. Also was wir nehmen, sind 39 Euro im Monat als Nutzungsgebühr pro Händler/Gastronom und das habe ich noch nicht gesagt: Der Gastronom kann seine Mittagskarte einstellen und somit kann jeder User sich jeden Tag darüber informieren, was es denn heute zum Mittagessen gibt in meinem Lieblingsrestaurant oder in einem Restaurant, was ich bisher noch nicht kenne.

Frank Rehme: Gut. So, wenn ich jetzt als Stadt das Ganze, meistens kommt das ja irgendwo von den Wirtschaftsförderungen her, das ist ja so die Zielgruppe, die man erst mal angeht, die die Multiplikation stellt oder von irgendwelchen Werbegemeinschaften.

Sascha Lübben: Ja.

Frank Rehme: Wir gehen jetzt mal auf unsere Hörerinnen und Hörer, die jetzt hier aufmerksam zuhören und sagen: Mensch, das wäre doch jetzt etwas für mich. Ich würde jetzt ganz gerne mal weitere Infos haben. Wo können die sich irgendwo melden? Gibt es eine Webseite? Gibt es irgendwo andere Ansprechpunkte, wo man dich erreichen kann?

Sascha Lübben: Ja, also es gibt die Webseite www.goloca.de. Dort gibt es schon mal alle Informationen selbst über die App und zu mir als Person. Dort stehen auch meine Kontaktdaten drin und ich bevorzuge eigentlich in der Regel immer den persönlichen Kontakt. Das heißt, also ich würde mich freuen, wenn man sich telefonisch oder per E-Mail mit mir in Verbindung setzt und ich melde mich dann zurück. Und dann würde ich das in der Art und Weise besprechen, welche Schritte notwendig sind, was das Nächste wäre und so weiter und so fort.

Frank Rehme: Wie bist du zu den Stadtrettern gekommen? Das ist jetzt auch mal so eine Sache, die mich natürlich interessiert.

Sascha Lübben: Ja, der liebe Stefan war hier im Umkreis in Emmendingen vorstellig und dort haben wir uns kennengelernt im Rathaus in Emmendingen bei einem Vortrag. Und dann bin ich nach seinem Vortrag auf ihn zugegangen und habe ihn angesprochen und gesagt: Mensch, das würde doch passen von dem her, was ich mache und von dem her, was du machst. Und dann haben wir uns kurzgeschlossen Ende letzten Jahres und so sind wir heute hier.

Frank Rehme: Ja, sehr gut. Stefan, ja, du hattest noch eine Frage.

Stefan Müller-Schleipen: Ich möchte noch einen Punkt anbringen, Frank, du hattest es ja vorhin angesprochen: Es gab schon viele, ich sage mal, Sternchen am Himmel der Einkaufs Apps und die sind alle oder nicht alle, aber ein Großteil ist leider verglüht, wie so ein schönes Feuerwerk, erst machen alle A und O und plötzlich gehen die Lichter aus. Ich fand den Ansatz oder ich finde den Ansatz von Sascha gut und ich finde auch das Weiterdenken gut. Wir sind ja immer, wahrscheinlich typisch deutsche Eigenschaft, wir wollen aber die 100 Prozent Lösung oder die 110 Prozent Lösung gleich von Anfang an. Und ich glaube, schön wäre, wenn man Menschen, die so eine Idee haben und so ein Produkt haben, was vielleicht noch nicht zu 100 Prozent fertig ist, eine Chance gibt, um so ein Produkt weiterzudenken. Wir haben ja auch im Netzwerk jemand, der den Weg in die Stadt incentiviert. Je nachdem, wie ökologisch ich mich in die Stadt bewege, kann ich auch Punkte sammeln. Um so was mal in einem Reallabor einer kleinen Stadt mal zu denken, das ist ja unser Ansatz, Menschen mit guten Ideen zusammenzubringen und aus einer guten Idee vielleicht noch eine bessere zu machen. Das würde mich freuen. Und ich glaube, der Sascha hat das auch verdient, aus seiner schon eigentlich sehr guten, ist ja nicht nur Idee, sondern sehr guten App, ich habe sie ja im App Store auch downgeloadet, mir schon angeschaut, gemeinsam mit so einem starken Netzwerk im Hintergrund was noch besseres zu machen und die Chance hast du auf jeden Fall verdient.

Sascha Lübben: Ja, vielen Dank.

Frank Rehme: Absolut. Ich meine, das ist ja immer so, man muss eine Geschichte anreichern, immer weiter mit zusätzlichen Features und immer dabei an die Benutzerinnen und Benutzer denken. Da ist das A und O dabei. Stichworte hier einen digitalen Alltagsbegleiter in der Endausbaustufe zu haben, der alle Fragen der Nutzerinnen, die man so im täglichen Leben hat, eigentlich beantwortet. Und der Fokus sollte natürlich dann auch genau darauf liegen, auf so Fragestellungen wie: Welche Apotheke hat Notdienst? Wo finde ich den nächsten Briefkasten? Alles solche Dinge, die nächste öffentliche Toilette oder so. Alles so Dinge, die eigentlich erst mal mit Einkaufen überhaupt nichts zu tun haben, aber den Nutzwert der App, diese benutzen zu wollen, deutlich erhöht. Denn wir haben ja, ich sag mal, benutzen so im täglichen Leben keine Ahnung, sechs, sieben Apps laufend. Und das ist so unser Horizont, den wir so haben und da jetzt mit der achten oder neunen App irgendwo reinzukommen, das ist ja eine Aufgabe, die muss man erst mal schultern.

Stefan Müller-Schleipen: Und in diesen Horizonten zu denken, in diese Ansätze zu denken, das ist absolut korrekt. Das Thema Toiletten ist uns im Netzwerk, bei uns bei unseren Stadtrettern schon vor drei Jahren über den Weg gelaufen, wo die Leute gesagt haben, also Corona-Hochzeit ja: Ich geh nicht mehr in die Innenstadt, weil die Gastronomen haben zu, das ist eigentlich der Ort, wo ich auf Toilette gehe, weil normalerweise die öffentlichen Toiletten sind nicht mehr da. Und die Vitalen Innenstädte jetzt haben es bewiesen, dass das Thema Toilette, ich glaube, auf Platz zwei war und ich glaube, genau das, was du sagst, Frank, wir müssen auch da umdenken, gucken, wie wir die verschiedenen guten Ansätze miteinander verknüpfen und noch was Besseres daraus zu machen. Und auch in diese Richtung mal zu denken, ist jetzt ein bisschen vom Einkaufen weg, aber ein Laden oder ein Gastronom, der mich freudig auch seine Toilette mal benutzen lässt, hat bei mir ganz anderen Auftritte, sammelt Pluspunkte, ja, weil ich normalerweise immer, wenn ich mal aufs Klo muss, also wir müssen ja Gott sei Dank alle mal aufs Klo und keine öffentliche Toilette finde, irgendwo mit einem schlechten Gewissen rein- und wieder raushusche und denke: Oh Gott, oh Gott, hoffentlich hat mich keiner gesehen. Und wenn wir es so schaffen, mit Sachas Tool und Sachas App und unserer innovativen Denke vielleicht andere Mehrwerte zu schaffen, an die noch keiner gedacht hat, dann haben wir eigentlich ein Ziel erreicht, für das wir alle brennen hier am Tisch.

Frank Rehme: Ja, und da ist ja der Punkt auch, man benutzt praktisch genau diese Features, die ich gerade angesprochen habe, als trojanisches Pferd, um dann die Informationen, die ich über den Handel und die Gastronomie platzieren will, dort dann reinzubringen. Das ist praktisch so der digitale Alltagsbegleiter, um dieses Stichwort noch mal zu benutzen, der hilft mir in meinem Leben, in meiner Stadt jeden Tag wieder neu und deshalb mache ich diese App immer wieder mal auf, weil ich immer wieder genau die Fragen beantwortet haben will. Und dann auf einmal erscheint: Ach, übrigens, hier findest du das und das oder hier gibt es jetzt diese Produkte im Sonderangebot. Wobei man immer so ein bisschen aufpassen muss bei dem ganzen Thema Angebote und so weiter oder Punkte, kleiner Check an der Stelle noch mal: Denk auch daran, Gamification nicht im Bereich Punkte sammeln zu etablieren, sondern mach daraus kleine Auszeichnungen für Kunden, die die App ganz besonders viel nutzen. Mach die zu Stadtbotschaftern, gib denen irgendwie einen geilen Titel. Weil das ist das, was die Leute letztendlich irgendwo darauf trimmt, die App weiter zu benutzen. Denn rein Punktesammler sind keine loyalen Kunden. Sobald ein anderer mehr Punkte verspricht, ist der Kunde weg und dann brauchen wir nicht mehr von Loyalität zu reden bei solchen Punktesystemen. Das sehen wir hier bei diesen ganzen Payback-Aktivitäten der letzten Jahrzehnte, die jetzt alle zusammenbrechen, weil die Händler ihre eigenen Apps alle machen und damit natürlich dann die Kunden wegholen. Und insofern sind solche Punkte-Benefit-Programme keine Loyalitätsprogramme, sondern das ist einfach nur eine Bestechung. Du tust etwas und kriegst was dafür.

Sascha Lübben: Ja, also da möchte ich gerne mal ganz kurz noch mal einhaken. Es ist jetzt viel gesagt worden. Also zum einen, was der Stefan gesagt hat. Es ist so, dass ich natürlich unzählige Gespräche in den letzten zwölf Monaten geführt habe über meine App, über die Situationen in der Stadt, über die gewünschten Anforderungen, die man gerne hätte und, und, und, und, und. Da kann man sich natürlich grob verlaufen, sage ich mal. Und generell geht es, denke ich, einfach darum, dem Handel vor Ort eine Möglichkeit zu geben, in die Sichtbarkeit zu kommen. Und das, was du jetzt gerade gesagt hast, Frank, was die Loyalität und die Punkte und so weiter und so fort anbetrifft, das ist alles komplett richtig. Generell geht es aber, wie gesagt, noch mal darum, dass sich die Menschen verändern in ihrem Verhalten, dass sie gerne Dinge, die sie tun, schneller beenden möchten und dass sie eine Lösung finden, wie sie ihre Bequemlichkeit und das meine ich gar nicht böse, ein Stück weit unterstützt bekommen. Und dann haben wir letzten Endes einfach hier die Möglichkeit, innerhalb von weniger als 60 Sekunden, also wir stellen uns nochmal die Situation vor, ich bin ein Einzelhandel, ich verkaufe beispielsweise als Mischwarenladen Kaffee, Tassen, Schokolade, ich biete noch ein kleines Frühstück an und sage jetzt: Ich möchte gern im März Tassen, die sich jetzt nicht so gut verkauft haben, möchte ich gerne 50 Prozent drauf geben. Jetzt muss ich mir überlegen: Was habe ich denn für Möglichkeiten? Und viele fangen dann an, eben über den Instagram-Kanal Geld in die Hand zu nehmen und mit einem Tagessatz von 10 Euro mein Tassenangebot zu bewerben. Dann mache ich das 30 Tage lang und bin summa summarum 300 Euro losgeworden und habe vielleicht ein paar Tassen abverkauft. Über die App funktioniert so, dass ich innerhalb von weniger als 60 Sekunden die Tasse aufnehme, kurz drauf schreibe, worum es geht, wie viel Prozent ich gebe und auf Absenden tippe und dann ist das Ding in Echtzeit in der App und ich kann es bearbeiten, wann ich möchte, ich kann es anpassen, wann ich möchte und ich kann es auch wieder löschen, wann ich möchte. Und darum, denke ich, geht es letzten Endes auch, dass wir natürlich eine Möglichkeit finden, wie wir schnell und einfach in die Kommunikation mit den Menschen treten, die vor Ort leben und arbeiten. Und ansonsten alles andere können wir uns wirklich bis ins letzte Detail verzetteln und wir werden es wahrscheinlich nie jedem recht machen und deswegen da noch mal eingehend meine Bitte, noch mal zu denken und das noch mal zu begreifen, wir brauchen was, weil die Menschen wollen wieder in die Stadt. Die Menschen sind auch nicht zufrieden mit dem Onlinehandel und deswegen glaube ich, dass hier einen ganz guten Ansatz gegeben ist, wie wir das schaffen, dem Handel vor Ort einfach zu helfen.

Stefan Müller-Schleipen: Ja und das du schaffen kannst, hat ja die Dynamik unseres Gesprächs schon ergeben. Da wurde von trojanischen Pferden und von Punkten, die als Bonus nicht geeignet sind, gesprochen und ich finde den Ansatz von dir charmant, Frank, zu sagen: Du musst die über Titel, wie auch immer, kriegen. Das spricht mich auch mehr an. Und das zeigt, wenn die richtigen Leute an einem Thema, eigentlich nur über ein Thema reden, schwätzen, wie man sagt bei uns, entsteht schon so viel Kreativität in die richtige Richtung. Diesen Schwung sollten wir nutzen. Ich drücke dir alle Daumen, dass du den richtigen Ansatz gefunden hast, mit den richtigen Unterstützern das Ding nach vorn zu treiben.

Sascha Lübben: Vielen Dank. 

Frank Rehme: Auch von mir alle Daumen gedrückt und wir wünschen viel Erfolg und vor allen Dingen Durchhaltevermögen, A und O heutzutage dabei. Besten Dank.

Stefan Müller-Schleipen: Hat noch nie geschadet. Danke schön in die Runde. Tschau.

Sascha Lübben: Danke.

Frank Rehme: Tschau.

Sascha Lübben: Tschüss.

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